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(2009-06-29)
Wattenmeer ist jetzt Weltnaturerbe
UNESCO-Anerkennung hilft bei Bewahrung des einmaligen Ökosystems
Bei der jährlichen Sitzung des Welterbe-Komitees der UNESCO im spanischen Sevilla fiel die Entscheidung:
Das Wattenmeer wurde als Weltnaturerbe anerkannt. Damit steht der einmalige Naturraum zukünftig auf einer Stufe mit den Galapagos-Inseln, dem Grand-Canyon-Nationalpark oder dem australischen Great Barrier Reef.
Mit dieser vom World Wildlife Found (WWF) unterstützten Anerkennung ist auch eine
Verantwortung zur dauerhaften Erhaltung verbunden. „Der WWF erwartet von Politik und Industrie, allen voran der Ölindustrie, dass sie die Anerkennung als Weltnaturerbe respektiert
und auf jeden Bergbau im Wattenmeer verzichtet“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerprojekts. „Niemand braucht ausgerechnet Öl aus dem geschützten Watt.“
Die Industrie müsse aufhören, sich immer neue Ausnahmen für missbräuchliche Nutzungen im Nationalpark zu erstreiten und auf jede Ausweitung der Ölförderung verzichten.
Eine weitere Gefahr für das Weltnaturerbe Wattenmeer stellt nach WWF-Angaben der durch
den Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels dar. Dieser könne in der flachen Landschaft der Nordseeküste besonders schwere Auswirkungen für Mensch und Natur haben.
Wattflächen und Salzwiesen drohen dauerhaft überflutet zu werden, auch Inseln könnten
dann in Gefahr geraten. In begrenztem Umfang ist nach WWF-Einschätzung eine Anpassung jedoch noch möglich. So könne etwa durch Ablagerung von Schlick und Sand das Watt mit
dem Meeresspiegel mitwachsen. „Die immer höher werdenden Investitionen für den Küstenschutz müssen auch so eingesetzt werden, dass die natürliche Anpassung an den
Meeresspiegelanstieg gefördert wird. Das ist unsere einzige Möglichkeit die einmalige Küstenlandschaft an der Nordsee auch langfristig zu erhalten“, sagt Hans-Ulrich Rösner.
Für die Umweltschützer ist es außerdem ein besonderer Wermutstropfen, dass nur der größte
Teil des deutschen sowie das niederländische Wattenmeer den Titel Weltnaturerbe erhalten haben. Der WWF hofft, dass Dänemark und das Bundesland Hamburg nun so bald wie möglich
einen entsprechenden Antrag bei der UNESCO stellen und sich mit ihren Wattgebieten anschließen. Ziel sollte sein, dass der gesamte Watt-Raum zu einem gemeinsamen
Weltnaturerbe wird. Dies helfe nicht nur bei der Bewahrung des einmaligen Ökosystems, sondern nütze auch den Anwohnern, schließlich profitiert vor allem der Tourismus von einer
intakten Natur und von der Auszeichnung als Weltnaturerbe.
Seit 1978 kooperieren die Wattenmeer-Anlieger Niederlande, Dänemark und Deutschland bei
Erforschung und Schutz des gigantischen Feuchtgebiets, der weltgrößten zusammenhängenden Wattfläche von 13.000 Quadratkilometern. Bei der Anmeldung zum
Weltnaturerbe beteiligten sich allerdings nicht alle. Die Dänen haben ihr Gebiet nicht als Naturerbe angemeldet, weil sie zunächst einen Nationalpark dort schaffen wollen. Und die 137
Quadratkilometer Hamburgisches Wattenmeer gehören ebenfalls nicht zum Weltnaturerbe. Der Senat der Hansestadt hatte Bedenken, die Elbvertiefung könnte behindert werden. Das
Hamburger Stück Wattkuchen soll nun bei den Vereinten Nationen nachgemeldet werden. (Text u. Foto: Theo Kruse)
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